René
03.07.2015 von René

Welche Partner braucht man als Betreiber eines Onlineshops?

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Ob und in welchem Ausmaß Sie externe Dienstleister in Anspruch nehmen müssen, hängt wie in Teil 2 beschrieben von Ihren persönlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten ab. Um einige werden Sie aber auf keinen Fall herumkommen: die Zahlungs- und Versanddienstleister. Sobald Sie als Shopbetreiber auf externe Dienstleister angewiesen sind, halten Sie alle Kosten und Leistungen vertraglich fest und vermeiden Sie hohe Grundgebühren und lange Vertragslaufzeiten. Denn wenn Ihr Geschäft doch nicht wie erwartet läuft, sind Sie eventuell über das Bestehen des Webshops hinaus an diese Verträge gebunden. So sollten demnach die anfallenden Kosten Ihrer Partner zu Beginn Ihrer Geschäftstätigkeit variabler sein. Dann bezahlen Sie zwar in den meisten Fällen etwas mehr, aber auch nur, wenn der jeweilige Dienstleister tätig wird. Diese locken besonders Neukunden mit großzügigen Rahmenverträgen mit besonders niedrigen Konditionen, binden Sie aber an eine lange Vertragslaufzeit. Die Ausarbeitung solcher Rahmenverträge lohnt sich aus der Erfahrung heraus erst, wenn sich über einen längeren Zeitraum das Geschäft stabilisiert hat.

Zuverlässige Partner sind immer wichtig

Zahlungsdienstleister

Damit Ihre Kunden die bestellte Ware bezahlen können, gibt es klassische Wege, die zunächst keine Zusatzkosten verursachen. Die Banküberweisung ist nach wie vor das Zahlungsmittel, was von nahezu allen Shops und Dienstleistern im Internet angeboten wird. Die meist per Vorkasse zu entrichtenden Beträge werden dann am nächsten Tag auf Ihrem Konto gutgeschrieben. Doch aus mehreren Gründen empfiehlt es sich, weitere Zahlungsmöglichkeiten anzubieten. Die Vorteile sprechen dabei für sich und sind sowohl für Sie als auch für den Kunden interessant. Ein unverzüglicher Zahlungseingang beschleunigt die Bestellbearbeitung und Käuferschutzmechanismen erhöhen die Seriosität Ihres Onlineshops. Diese wichtigen Punkte werden nahezu von allen Anbietern unterstützt und sollten von Ihnen genutzt werden. Da der Leistungsumfang ähnlich ist, sind für Sie weitere Kriterien wie die Verbreitung und anfallende Gebühren entscheidend. Meist werden für jede Transaktion kleine Grundbeträge und eine Provision im niedrigen einstelligen Prozentbereich verlangt. Hier lohnt sich ein genauer Vergleich der Dienstleister, da die Provision bei kleineren Margen maßgeblich sein kann. Zu nennen ist definitiv Paypal. Eine schnelle und bequeme Wahl, auch was die Verbreitung und Kundenakzeptanz betrifft. Auch wenn immer wieder über unschlüssige Käuferschutzentscheidungen und fragwürdige Einbehaltungen von Verkäuferguthaben im Internet zu lesen ist, kann der Dienst aus Luxemburg mit einem umfassenden Angebot punkten und bietet dem Kunden die Möglichkeit, via Kreditkarte oder SEPA-Lastschrift zu bezahlen. Das bieten zwar viele andere Anbieter auch, eine weitere Anmeldung des Kunden wird aber eventuell zu einem Bestellabbruch führen. Doch besonders Anbieter wie Klarna, die kein separates Kundenkonto verlangen und somit wirklich reine Zahlungsdienstanbieter sind, können sogar wegen des vereinfachten Bestellabschlusses vorteilhafte Alternativen zu Paypal sein. Ein weiterer Entscheidungsgrund sollte auch eine problemlose Integration in Ihren Onlineshop sein. Dazu bieten die Anbieter für nahezu jedes Shopsystem ein passendes Modul an, meist sogar kostenfrei. Diese Module erweitern Ihren Bestellprozess nach einmaliger Anmeldung um die gewünschten Zahlungsmöglichkeiten, setzen automatisch den Zahlungsstatus der Bestellung und bieten teilweise eine komfortable Kontoübersicht im Shopbackend an. Prüfen Sie also, ob ein solches Modul bereits verfügbar ist. Beachten Sie auch eventuell monatlich anfallende Grundgebühren und Vertragslaufzeiten, um einen problemlosen Wechsel zu ermöglichen.

Versanddienstleister

Bei der Wahl eines geeigneten Versanddienstleisters sind grundsätzlich drei Punkte zu beachten. Zum einen muss der Versand auf die zu verschickenden Produkte abgestimmt sein. Je nach Größe und Gewicht können sich die Preisstaffeln der Anbieter erheblich unterscheiden und bei falscher Wahl in der Masse beträchtliche Mehrkosten verursachen. Auch die Versicherungen gegen Transportschäden und Falschlieferungen unterscheiden sich teilweise erheblich. Hier lohnt sich besonders in der Schmuck- und Uhrenbranche ein Blick in die detaillierten Transportbedingungen der Logistiker. Prüfen Sie, ob Ihre Produktart versichert ist und wie hoch die Deckung ist. Falls Sie vorhaben, auch ins Ausland zu versenden, kann es finanziell vorteilhaft sein, für die unterschiedlichen Zielgebiete separate Dienstleister zu beauftragen. Hauptsächlich preiswerte nationale Versender weisen im Ausland oft keine eigenen Infrastrukturen auf und sind deshalb im internationalen Geschäft überproportional teuer.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der angebotene Kundenservice. So sollte nicht nur die Laufzeit der Pakete so gering wie möglich ausfallen, sondern auch eine Trackingfunktion vorhanden sein, dessen Informationen Sie an Ihre Kunden weitergeben können. Beachten Sie auch das Verhalten der Paketboten, wenn er den Kunden nicht angetroffen hatte. Werden alternative Liefertermine genannt oder erhält er Empfänger die Möglichkeit, sein Paket in der Nähe abzuholen? Dazu kann Ihnen eine Integration in Ihrem Onlineshop mit Markendruck und automatischen Kundenmails eine Menge Arbeit abnehmen und Ihnen den Status aller Sendungen übersichtlich anzeigen. Bekannte Dienstleister bieten auch hier entsprechende Module an, um die verfügbaren Funktionen in Ihren Onlineshop zu integrieren. Zum Service gehört auch eine Möglichkeit, Retouren für den Kunden so bequem wie möglich zu gestalten und deren Planung für Sie zu organisieren. Die Höhe der Retourenkosten kann auch ausschlaggebend sein, ob Sie zu einem kostenfreien Versand auch einen kostenfreien Rückversand anbieten können. Obwohl letzterer nach der Novelle des deutschen Widerrufsrechts aus dem Jahr 2014 nicht mehr zwingend vom Händler getragen werden muss, kann dieses Angebot die Kaufrate positiv beeinflussen.

Besonders in der Anfangszeit kann der Versand mangels großem Rahmenvertrag für Sie ein Zeitfaktor werden. Da einzelne Pakete meist gar nicht oder nur am Folgetag abgeholt werden, sollten Sie zur Vermeidung langer Wege einen Stützpunkt eines Logistikunternehmens in Ihrer Nähe finden. So kann bereits ein kleiner Paketshop im Ort eine rentable Alternative zum weiter entfernten großen Postzentrum sein und wegen des geringeren Aufwands höhere Portokosten rechtfertigen.

Produktfotografie

Hinsichtlich der Menge an Produkten in Ihrem Onlineshop müssen Sie entscheiden, ob sich die Anschaffung einer eigenen Fotoausrüstung lohnt, um ansprechende Produktfotos anzufertigen. Über die Eingabe aller wichtigen Produktinformationen hinaus können aussagekräftige und qualitativ hochwertige Produktbilder kaufentscheidend sein. Zudem schafft es bei teuren Waren Vertrauen beim Kunden, wenn Sie über die Herstellerfotos hinaus eigene Bilder im Webshop präsentieren und somit die physische Anwesenheit bestätigen. Eine einfache, aber in den meisten Fällen ausreichende Ausrüstung erhalten Sie ab etwa 1500 Euro. Darin enthalten sind eine hochwertige Fotokamera, ein Lichtzelt und ein zusätzlicher Blitzergeräte oder Lampen für ein Dauerlicht. Sind die Motive sehr klein, werden Sie ein Makroobjektiv benötigen, um bei geringem Abstand Details ablichten zu können. Diese kosten derzeit ab 500 Euro. Die Preise für einen Fotografen können regional und nach dessen Ausbildung variieren und müssen vor Ort erfragt werden. Stellen Sie fest, wie viele Produkte in einer Stunde fotografiert werden können und vergleichen Sie die Kosten beider Varianten. Sollten täglich Bilder angefertigt werden, wird sich die Investition in eine eigene Ausrüstung schnell rentieren, sofern das Equipment einmal professionell eingerichtet ist. Die Nachbearbeitung am PC kann unter Umständen viel Zeit in Anspruch nehmen. Sofern Sie noch keine Erfahrung mit der Bildbearbeitung am Computer besitzen und die Bilder selber in Ihre Endform bringen möchten, empfehlen wir einen entsprechenden Kurs, um die Hauptschritte wie Freistellen und Farbkorrektur zu erlernen.

Externe Schnittstellenanbieter

Zu den hauseigenen Schnittstellen Ihrer Software sind die Ihrer Partner wahrscheinlich nicht kompatibel. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen oder benötigen anderweitige Informationen. Bei großen Projekten wird die Entwicklung einer passenden Schnittstelle für Ihr eigenes Shopsystem durchaus sinnvoll sein. Für kleine Shops entwickelten sich aber in den vergangenen Jahren diverse Anbieter, die die Kommunikation zwischen den Systemen übernehmen. Diese so genannte Middleware bieten die Hersteller meist in Abonnements an. Diese Daten-Übersetzer können mit der Schnittstelle Ihres Onlineshops kommunizieren und senden Ihre Produktdaten zum Beispiel in überarbeiteter Form an Kataloge oder Marktplätze weiter. Anders herum sind sie meist in der Lage, Bestellungen auf anderen Marktplätzen im Internet in Ihre Shopsoftware zu übertragen. Da sie meist mehrere Anbieter abdecken, sind einzelne Schnittstellen somit nicht mehr nötig. Besonders wenn Sie zum Beispiel auf Ebay oder Amazon Ihre Ware parallel anbieten möchten, kann ein solcher Dienstleister die Produktpflege und Bestellbearbeitung auf den Shop konzentrieren und Bestände synchronisieren. Die Preise für diese Anbieter sind nach der Menge der zu übertragenden Datensätze gestaffelt, was besonders bei einem ersten Export teuer werden kann. Im laufenden Betrieb sind die Kosten ab zirka 20 Euro verglichen mit dem sonst entstehenden Mehraufwand moderat, da auch zusätzliche Kosten wie Updates und Wartung eigener Schnittstellen entfallen. Da Sie als Gründer die zusätzlichen Absatzmöglichkeiten bekannter Marktplätze nutzen sollten, empfehlen wir die Einrichtung einer passenden Middleware, damit Sie sich auf die wesentlichen Aufgaben als Shopbetreiber konzentrieren können.

Mit den passenden Schnittstellen lassen sich auch weitere Datenlieferanten wie Hersteller oder Großhändler an den Shop anbinden und so Ihre Arbeit vereinfachen. Die Programmierung eines geeigneten Moduls für Ihr Shopsystem kann zwar höhere Kosten verursachen, verringert meist die langfristigen Ausgaben für Personal oder externe Dienstleister.

Zu nennen sei noch der von nahezu allen Gewerbetreibenden in Anspruch genommene Steuerberater. Die Buchhaltung und die Kommunikation mit dem Finanzamt ist komplex und eventuell für einen Gründer undurchsichtig. Verpasste Fristen können zu Mehrkosten und weiteren Problemen führen. Neben den dauerhaften Partnern werden Sie besonders zu Beginn Ihrer Tätigkeit auf weitere externe Helfer angewiesen sein. Nutzen Sie die Beratungsangebote von Banken und Gründercoaches. Sie können Ihnen beim Aufstellen der ersten Kalkulationen behilflich sein und sorgen dafür, dass Sie keine Fallen übersehen. Sollten Sie noch kein Logo und keine einheitliche Gestaltung aller Medien Ihrer Firma besitzen, können Sie dazu Designer und Grafiker beauftragen. Ein professionell gestaltetes Logo und ein eingängiges Design erhöht die Außenwirkung Ihrer Firma erheblich und zeugt von Seriosität. Für die Erstellung der Rechtstexte empfiehlt es sich, diese von einem Rechtanwalt anfertigen zu lassen. Kopieren Sie nicht einfach AGBs oder Datenschutzerklärungen von anderen Shops. Dies kann zu teueren Gerichtsverfahren führen.

Sofern Sie gerade planen, einen Webshop zu eröffnen, sollten Sie sich mit den oben genannten Punkten auseinandersetzen oder eine Agentur um Rat fragen. Die Profis können Ihnen passende Dienstleister vorschlagen. 

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