Online-Shops mit Magento und OXID

In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es bei einem Online-Shop ankommt, und warum solutionDrive zwei neuere Open-Source Shop-Systeme besonders empfiehlt.

magento eCommerceOXID eSales CE

Eine kleine Shop-Geschichte

Seit dem 01. April des Jahres 2008 hat sich die Welt der kostenlosen Open-Source Shop-Software grundlegend verändert. Innerhalb gut eines halben Jahres sind zwei neue Open Source-Produkte erschienen, die eine neue Qualität mit sich bringen: Magento Commerce und OXID eSales CE. Zuvor waren osCommerce und sein Nachfolger xt:Commerce die Platzhirsche bei den Kostenlos-Shops. Wer kostengünstig einen Online-Shop haben wollte, ließ sich rasch einen der beiden installieren, ein wenig verändern und konnte sofort online verkaufen. osCommerce startete im Jahr 2000 als Projekt von Harald Ponce de Leon aus Solingen, und xt:Commerce startete als verbessertes osCommerce im Jahr 2003. Die wichtigsten Argumente für xt:Commerce waren das Template-System für die bessere Trennung von Funktion und Design, sowie die Anpassung an den EU-Binnenmarkt. Es gibt weitere Ableger von osCommerce im Open-Source-Bereich, als auch eine Menge kleiner, weniger erfolgreiche Systeme.

Leicht zu erkennen

Leicht zu erkennen

Häufig leicht zu erkennen: ein osCommerce-Shop. Da Design und Funktionalität hier eng verwoben sind, werden häufig nur kleinere optische Veränderungen vorgenommen. Eine stimmige Umgestaltung ist eine technische Herausforderung, aufwändig und teuer. xt:Commerce brachte von der Funktionalität getrenntes Design mit Templates, doch für Erweiterungen muss noch in die Kerndateien des Shops eingegriffen werden. 

 
Kommerzielle Shop-Systeme

Neben den kostenlosen Open-Source-Shops wurde natürlich immer auch kommerzielle Software angeboten. Hier ist der Markt im Shop-Bereich vielfältig, unzählige Anbieter buhlen um die Gunst des Shop-Betreibers. Unserer Erfahrung nach ist allerdings immer Vorsicht angebracht. Ein Online-Shop ist wesentlich anspruchsvoller in seinen Funktionalitäten als es von außen den Anschein hat. Die Anforderungen seitens des Gesetzgebers und der Kunden sind hoch und in ständigem Wandel, neue Marktplätze kommen und gehen und wollen angebunden sein. Es scheint  für eine kleine Software-Firma schwer bis unmöglich zu sein, all diesen Anforderungen gerecht zu werden und eine Software anzubieten, die langfristig alles bieten kann. Natürlich gönnen wir es jedem ambitionierten Start-Up, hier einen Erfolg zu landen. Für den Käufer einer Shop-Software empfiehlt es sich jedoch, nicht jedem schönen Verkaufsprospekt oder jeder polierten Homepage ohne weiteres Glauben zu schenken.  Die Shop-Welt ist mittlerweile zu komplex und zu anspruchsvoll, um blauäugig zu kaufen. Schließlich soll mit einem Shop ja ersthaft Umsatz gemacht werden. Entprechend wichtig ist es, dass er in jeder Hinsicht funktioniert.

Worin sich Shop-Systeme unterscheiden

Was ist also bei der Auswahl eines Shop-Systems zu beachten? Um eine ausführliche Beratung kommt man als Shopbetreiber nicht herum, da jeder Shop-Betreiber andere Voraussetzungen mitbringt. Hier sind die wichtigsten Punkte, die bei der Auswahl zu beachten sind, zum Überfliegen oder Studieren:

  • Erweiterbarkeit: wie leicht ist der Shop zu erweitern? Gibt es ein Modulkonzept oder muss die Kernsoftware händisch geändert werden?
  • Designbarkeit: Wie leicht kann der Shop optisch umgestaltet werden? Gibt es Templates, die leicht zu warten sind?
  • Produktpräsentation: Wie flexibel kann die Darstellung der Artikel beeinflusst werden? Einige Stichworte: Attribute, Sonderangebote, Varianten, Bilder, Zoom-Bilder, Multimedia-Elemente, Startseite, gesonderte Darstellung für spezielle Artikel, Produktkonfiguratoren, Produkt-Bundles, Produktvergleiche.
  • Preise: Gibt es Staffelpreise, Streichpreise, UVPen, mehrere Währungen, fixe und kursabhängige Preise, Rabatte?  
  • Suchmaschinenfreundlichkeit: Können Suchmaschinen-freundliche URLs generiert werden? Sind die Meta-Daten einer Artikelseite/Kategorie veränderbar? Gibt es eine automatisierte Unterstützung, oder muss alles händisch gemacht werden?
  • Verkaufsförderung: Wie einfach kann Crossselling und Up-Selling konfiguriert werden? Gibt es Gutscheine, Zubehör, Preismonitore, Bestsellerlisten, “Neue Artikel”, Sonderangebote, Produktempfehlung, “Zuletzt angesehen”, Wunschlisten, Aktionen, Bonusprogramme?
  • Lizenzkosten: Welche Vollkosten fallen in jedem Fall außer dem initialen Kaufpreis an? Laufende Lizenzkosten für den Shop und für Upgrades, Supportvertrag, Lizenzkosten für unterliegende Technik (z.B. Zend Platform)?
  • Kosten für Erweiterungen: Gibt es viele Module kostenlos dank einer Open-Source-Community, oder sind  kommerzielle Angebote die Regel?
  • Internationalisierbarkeit: Wie einfach können neue Sprachen hinzugefügt werden? Was ist mit Länderbeschränkungen, Versandkosten, Mehrwertsteuersätzen und Adressformaten?   
  • Rechtssicherheit: Wie einfach lässt sich der Shop an länderspezifische gesetzliche Regelungen und Gepflogenheiten anpassen?
  • Bezahlarten: Welche Bezahlarten können einfach integriert werden? Gibt es bereits Module für alle wichtigen Zahlarten?
  • Anbindungen: Kann der Shop an eine bestehende Warenwirtschaft, ein ERP-System oder ein bestehendes Produktinformationssystem (PIM) angeschlossen werden?
  • Lagerverwaltung: Ist eine Lagerverwaltung integriert, und wie einfach kann diese angepasst werden?
  • Marktplätze: Wie einfach können Artikel für diverse Marktplätze, Preissuchmaschinen, Produktverzeichnisse, Partnerprogramme etc. aufbereitet und exportiert werden?
  • Mandantenfähigkeit: Können über die Administration mehrere Shops verwaltet werden, z.B. B2B-, Endkund- oder länderspezifische Shops, und können die Artikel in mehrere Shops vererbt werden, und wenn ja mit shop-spezifischen Attributen?
  • Skalierbarkeit: Wieviele Artikel und Kategorien können verwaltet werden? Kann der Shop bei großem Angebot und Nachfrage auf mehreren Applikationsservern mit mehreren Datenbankservern laufen? Wie viel langsamer läuft der Shop, wenn die Artikelanzahl und die Anzahl der Besucher wächst?
  • Performance: Kann die Performance beeinflusst werden, indem z.B. nicht benötigte Funktionen abgeschaltet werden? 
  • Kundenverwaltung: Gibt es Kundengruppen? Können Kunden automatisch klassifiziert werden? Kann die Kundengruppe Einfluss auf die Bezahlarten oder andere Shop-Funktionen?
  • Kundenfunktionen: Kann der Kunde die Bestellhistorie einsehen, den Warenkorb speichern, Geschenkadressen speichern, Stammdaten verwalten, gibt es Erinnerungsfunktionen?
  • Usability: Werden modernen AJAX-Funktionen für den Kunden- und Administrationsbereich verwendet? Ist die Bedienung des Shops aus Kunden- und Adminsicht einfach und intuitiv?
  • Rechte und Rollen: Können Administratoren verschiedene Rechte zugewiesen werden? 
  • Content Management: Können Informationsseiten eingebunden und mit Artikel verknüpft werden?
  • Suche: Wie ausgereift ist die Shopsuche? Gibt es eine unscharfe Suche, die auch Synoynme und Tippfehler berücksichtigt? Gibt es eine Herstellersuche? Kann eine externe Suche (FACT-Finder, Celebros,…) eingebunden werden? 
  • Newsletter: Ist ein Newslettersystem integriert, oder kann ein externes angebunden werden? Ist An- und Abmeldung vom Newsletter per API abfrag- bzw. änderbar?
  • Social Web: Gibt es Produktbewertungen, Käuferkommentare, Links zu Social-Bookmarking-Seiten, einen integrierten Blog, RSS-Feeds, Umfragen? 
  • Statistik: Welche statistischen Auswertungen können gemacht werden, um den Shop beobachten und verbessern zu können? Kann ein externer Monitor wie Econda oder Google Analytics problemlos eingebunden werden? 
  • Wartbarkeit: Wenn technische Änderungen anstehen, wie einfach findet sich ein Experte, und wie teuer ist im Schnitt eine Wartungsstunde? Wie wartungsfreundlich ist der Shop generell, mit welchen Ausfällen ist bei einer Wartung / Erweiterung zu rechnen?
  • Hosting: Welche Hardware und Software sind Voraussetzungen für den Betrieb des Shops. Reicht ein virtueller Server, oder muss es ein dedizierter sein?

 

Zwei neue Sterne am Open-Source Himmel

Diese lange Liste ist sicher noch nicht vollständig, aber sie lässt die Komplexität erahnen, die beim Betreiben eines Shops entstehen kann. Je besser ein Shop-System den Betreiber dabei unterstützt, diese Komplexität zu bändigen, desto besser. Open-Source-Shops wie osCommerce und xt:Commerce fallen aus unserer Sicht durch dieses Raster, da hier für jede Änderung und Erweiterung Kern-Dateien des Shops verändert werden müssen. Dies führt dazu, dass der Shop nicht mehr einfach upzudaten ist und auf Dauer unwartbar wird. Bis zum besagten 1. April 2008 waren nur einige ausgewählte kommerzielle Systeme in der Lage, die wichtigsten Punkte aus der obigen Liste ’out of the box’ zu lösen bzw. Module bereitzustellen. Dazu gehörte OXID eSales mit seiner Professional Edition (PE) und der Enterprise Edition (EE), ebenfalls beide unter kommerzieller Lizenz. Doch bevor sich die OXID eSales AG in den Open-Source-Bereich vorwagte, erschien Magento auf dem Radar.

Magento

Magento ist ein Produkt der kalifornischen Webagentur Varien. Diese hatte zunächst Kunden Shop auf Basis bestehender Open Source Lösungen gebaut, und kam immer wieder an Grenzen. Es schien keine OS-Software zu geben, die auch nur annähernd den aktuellen Bedürfnissen der Varien-Kunden gerecht wurde. Daher entstand der Plan, eine optimale Software von Grund auf neu zu entwickeln. Als Basis wurde das Zend Framework verwendet, eine Klassenbibliothek, die viele Funktionalitäten zur Verfügung stellt. Mit viel Einsatz wurde innerhalb kurzer Zeit das Shop-System erstellt und pünklich zum geplanten Erscheinungstermin präsentiert (letzteres ist bei Softwareprodukten selten!). Sehr schnell hatte sich eine rege Community gebildet, die nach Kräften am Shop mitgebaut hat. Offenbar gab es ein großes Bedürfnis, und ganz sicher eine große Begeisterung dafür, eine neue Ära der OS Shop-Geschichte einzuläuten. Varien ist eine Firma und möchte und muss natürlich auch Geld verdienen, doch ganz im Sinne der “Freeconomics” wird das Hauptprodukt (Shop-Software) wie bei Google (Suche) kostenlos abgegeben, und der Gewinn wird auf Umwegen gemacht, in diesem Fall durch Auftragsgenerierung und Partnergebühren für Agenturen, die Shop implementieren.

Dass Magento sehr modular aufgebaut ist, hat auch eine Schattenseite. Die Performanz ist im Vergleich zu anderer Shop-Systemen niedrig. Ein Magento-Shop verschlingt viele Ressourcen hinsichtlich Prozessorzeit und Arbeitsspeicher. Dies ist natürlich relativ zum Gewinn der Flexibilität zu sehen. Mit ständig schneller werdenden Rechnern und größeren Speicherkapazitäten wird dieser Punkt auch weniger relevant. Tatsache ist jedoch, dass eine Magento-Installation heute  einen dedizierten Server verlangt, mit einem Shared-Hosting-Paket wird man keine Freude daran haben. Sollte der Shop regen Zulauf durch Besucher verzeichnen, ist unter Umständen auch der Einsatz eines Server-Clusters, d.h. ein Server-Verbund, angebracht.

Blog-Start

2. Juni 2009
Kategorie Neues

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