Constanze
21.08.2017 von Constanze

Agiles Projektmanagement - Halbes SCRUM ist besser als kein SCRUM

 Mit gemischten Gefühlen haben wir die Tage den Artikel “Projektmanagement - Agil - ganz oder gar nicht” von Mathias Reinhardt in der Internet World Business gelesen. Als Agentur, die seit einigen Jahren auf SCRUM als agiles Projektmanagement setzt, können wir seiner Aussage “ganz oder garnicht” nur bedingt zustimmen. Wir schätzen seine Ansicht, sind jedoch der Meinung, dass gerade größere Firmen keine Angst bekommen sollten, agil zu arbeiten.

Über SCRUM

Um Entwicklung mit SCRUM besser zu verstehen, muss einem bewusst sein, dass man hiermit nicht den heiligen Gral des Projektmanagement in der Hand hält. Vielmehr ist es ein Framework um in komplexen und großen Projekten den Überblick zu behalten. Man verlässt die Ebene der klassischen Prozesse hin zu einer transparenten Reportingebene, welche an bestimmte Rollenverteilungen gebunden ist. Anders als in der klassischen Wasserfall-Hierarchie sind alle Teammitglieder gleichwertig und übernehmen mehr Verantwortung in ihren Kernbereichen des Entwicklungsprozesses.

Das Planning zu Beginn eines Sprints definiert verschiedene Arbeitspakete/Aufgaben für den jeweiligen Sprint. Oftmals wird das Planning in einen allgemeinen und technischen Teil aufgeteilt. Je nach Anforderung müssen technische Details tiefergehend im Team besprochen werden.

Wie lang ein Sprint läuft, hängt meist von Projekt und Auftraggeber ab. Unserer Erfahrung nach ist die Aufgliederung in 2 Wochen sinnvoll. Hier ist es möglich, individuell auf Nachforderungen und kurzfristige Aktionen (z.B. Promoten von Gutscheincodes) zu reagieren.

Einsatz von SCRUM für langfristige Planung

Mathias bringt in seinem Artikel einen wichtigen Aspekt seitens Auftraggeber und Auftragnehmer auf den Punkt: “Denn wie sollen sie Pflicht- und Lastenheft definieren, wenn sie in einer sich schnell verändernden Welt noch gar nicht genau sagen können, welche Produkte und Services sich ihre Kunden in 18 Monaten wünschen?”

Ein Kunde kommt nie spontan auf die Idee ein langfristiges Projekt ebenso spontan umzusetzen. Im Vorfeld wird ein grundsätzliches Pflichtenheft formuliert und die Ideen und Ziele festgehalten. Jedoch wird es freier, mit mehr Spielraum, interpretiert.

Im agilen Projektmanagement können kurze, aber auch langfristige Projekte gleichermaßen vollzogen werden. Ein großer Vorteil gegenüber den klassischen Prozessen ist, dass wir binnen eines Sprints auf Änderungswünsche der Kunden eingehen können. Arbeitspakete im Planning werden höher priorisiert und mit Manpower unterlegt nach vorn gezogen. Das spontane Bereitstellen von freien Ressourcen ist einer der wichtigsten Aspekte die SCRUM zu bieten hat. SCRUM ist also kein kopfloses Vorpreschen, sondern ein Mittel Ressourcen effektiv planen zu können, ohne einem starren Regelwerk zu unterliegen.

Warum es sich lohnt auf SCRUM zu setzen

Nach dem Planning beginnt die Arbeit im anschließenden Sprint. Morgens zum Daily trifft das Team aufeinander, Aufgaben werden verteilt, Mitarbeiter mit freien Ressourcen helfen Kollegen, man bespricht den Vortag und was man den Tag auf der Agenda hat. “Statt das Ergebnis einmalig am Projektende abzunehmen, müssen in regelmäßigem Abstand Fortschritte beurteilt und das weitere Vorgehen besprochen werden. Dazu sind nicht alle Manager bereit und viele haben einfach nicht die Zeit dafür.”

Genau hier greift der SCRUM Master ein. Während im klassischen Sinne der Projektmanager das Controlling übernimmt, kümmert sich der Scrum Master um die Komplikationen der einzelnen Teammitglieder. Das Verständnis beim Auftraggeber ist eine Grundvoraussetzung um ein Projekt agil umzusetzen. Es eröffnet ihm jedoch gleichzeitig die Möglichkeit, den Projektfortschritt durch Reportings regelmäßig überblicken zu können und Veränderungen aktiv zu beeinflussen. Ein Kurswechsel (z.B. durch Neuorientierung in Marketing und Product Placement) ist immer möglich und erfolgt im fließenden Übergang. Wenn der Auftraggeber sich frei macht, von der Vorstellung über jeden Aspekt des Projektes die Kontrolle zu haben, dann kann er mit kleinen und wenig zeitaufwändigen Schritten dem Projekt genügend Raum geben, um sich erfolgreich zu entwickeln.

 

FAZIT: SCRUM bedeutet den Mut zu haben, etwas zu riskieren. Abgemildert wird das Ganze durch einen regen Kontakt und Austausch, aber auch durch ein paralleles Controlling innerhalb des SCRUMs. Traut Euch einfach zu beginnen. Seht Komplikationen nicht als Rückschläge, sondern als Herausforderungen an. Schafft den Raum für Kreativität und Innovationen in der Entwicklung. Euer Mindset wird nachfolgen. Das Framework wird sich vergrößern und die Agilität innerhalb der Projekte sowie des Unternehmens zunehmen.

 

Quelle: http://www.internetworld.de/technik/expert-insights/projektmanagement-agil-gar-1240861.html